Bitte warten...
Börse Frankfurt

Auslandsaktien: Ruhe vor der EZB

Marktbericht vom Handel mit internationalen Werten


UBS-Gewinn bricht wegen Facebook-IPO-Panne ein. Toshiba schließt Chip-Werke und die Valero-Aktie setzt ihren Aufwärtstrend fort, während Telecom Italia die Anleger mit einer unveränderten Dividendenprognose erfreut.

2. August 2012. FRANKFURT (Börse Frankfurt). Warten auf die EZB, heißt  am heutigen Donnerstag die Devise im Handel mit Auslandsaktien. „Seitdem Mario Draghi in der vergangenen Woche Interventionen durch die Zentralbank signalisiert hat, ist am Markt etwas Beruhigung eingekehrt“, berichtet Walter Vorhauser von Close Brothers Seydler. Die seit dem zu beobachtenden Kursgewinne an den Aktienbörsen seien vor  allem auf die Eindeckung von Leerpositionen zurückzuführen: „Viele haben auf weiter fallende Kurse gesetzt und sind von Draghi, Schäuble, Merkel und Co. dann auf dem falschen Fuß erwischt worden. Es kam daher zu Neupositionierungen.“

Nun warte alles darauf, ob die Europäische Zentralbank im Rahmen der Ratssitzung am heutigen Donnerstag auch wirklich liefere. „Es ist ein langwieriges Geschäft – alle halten die Füße still“, merkt Roland Stadler von der Baader Bank an.

EZB-Präsident Mario Draghi hatte am vergangenen Donnerstag angekündigt, „alles Erforderliche“ zu tun, um den Euro zu erhalten. An den Finanzmärkten wurde dies unter anderem als Hinweis auf neue Anleihekäufe der Notenbank in der Europeripherie aufgefasst, um die Zinslast der Krisenländer Spanien und Italien zu drücken.

„Die meisten Marktteilnehmer stufen neue Anleihekäufen durch die EZB mittlerweile für unumgänglich ein. Die damit verbundenen Risiken wie etwa eine steigende Inflation werden bislang allerdings vernachlässigt“, merkt Vorhauser dazu kritisch an.

Die Umsätze im Auslandsaktienhandel haben laut Vorhauser in der vergangenen Woche leicht zugelegt, bewegen sich aber weiter auf unterdurchschnittlichem Niveau. „Aus technischer Sicht befinden wir uns weiter im Abwärtstrend“, erklärt der Market Maker.

 

Anzeige

Facebook-IPO lässt UBS-Gewinn bröckeln

Unter der anhaltenden Schuldenkrise und den Turbulenzen an den Anleihemärkten Europas leidet auch die Schweizer Großbank UBS (WKN UB0Bl6), deren Nettogewinn im zweiten Quartal auf 425 Millionen Franken (350 Millionen Euro) eingebrochen ist. Im Vorjahresquartal war es mehr als doppelt so viel. Schuld an dem Gewinneinbruch ist neben der Schuldenkrise aber vor allem auch der vermasselte Börsengang des Sozialen Netzwerks Facebook. UBS beziffert den dadurch entstandenen Verlust auf 349 Millionen Schweizer Franken (290 Millionen Euro). Das ist deutlich mehr als zunächst erwartet: Analysten hatten mit einer Belastung von rund 80 Millionen Euro gerechnet - allerdings für alle am Börsengang beteiligten Finanzinstitute. „Die UBS versucht das jetzt alles auf die Nasdaq abzuwälzen und fordert Schadenersatz in voller Höhe“, sagt Vorhauser. Ob dies jedoch erreichbar sei, erscheine mehr als fraglich.

Bei dem Gang von Facebook auf das Handelsparkett war es zu schweren technischen Pannen gekommen. Offenbar waren die Systeme der Technologiebörse Nasdaq mit der großen Zahl an Aufträgen überfordert, so dass Händler wegen fehlender Rückmeldung lange nicht wussten, ob ihre Orders ausgeführt wurden. „Dadurch wurden Aufträge mehrfach ausgelöst und die tatsächlichen Käufe der Banken stimmten nicht mit den ursprünglich geplanten überein – das kostete Geld“, erklärt Vorhauser.

Positiv wertet der Händler indes das Vermögensverwaltungsgeschäft der UBS. „Hier läuft es noch ganz gut und die Schweizer haben trotz der Krise neue Kunden gewonnen.“ Für das Papier der UBS ging es nach der Zahlenvorlage um 7 Prozent auf 8,60 Euro abwärts. Auf diesem Niveau hält sich die Aktie seitdem.

Toshiba verschreckt mit Geschäftsverschlankung

Wenig berauschend fielen laut Close Brothers Seydler auch die Zahlen des japanischen Elektronikriesen Toshiba (WKN 853676) aus. Wegen dem festen japanischen Yen und Aufwendungen für Restrukturierungsmaßnahmen verbuchte das Unternehmen im Auftaktquartal einen Nettoverlust von rund 12 Milliarden Yen. Im Vorjahreszeitraum stand noch ein Gewinn von 470 Millionen Yen zu Buche. Die Umsätze blieben mit 1,26 Billionen Yen (Vorjahr 1,33) indes weitestgehend stabil. „Negativ wurde am Markt vor allem aufgenommen, dass Toshiba wegen einer Überversorgung des Marktes zwei Werke zur Produktion von NAND-Speicherchips schließen will, um so dem Preisdruck entgegen zu wirken“, fügt Vorhauser hinzu. Gut laufe hingegen die Infrastruktursparte, in der Toshiba spezielle Geräte für Strom-, Gas- und Wassernetze herstelle. Die Aktie sackte nach Bekanntgabe der Zahlen auf 2,52 Euro ab, erholte sich dann aber wieder auf rund 2,70 Euro. Aktuell notiert der Titel bei 2,76 Euro.

Valero im Aufwärtstrend

Mit recht guten Quartalsergebnissen wartete unterdessen der US-Raffinerie- und Tankstellenbetreiber Valero (WKN 908683) auf. Die Umsätze stiegen im zweiten Jahresviertel um 11 Prozent, den Gewinn steigerte Valero von 1,30 Dollar je Aktie im Vorjahr auf 1,50 Dollar je Aktie. Für das Papier ging es nach der Bilanzvorlage um 5% aufwärts auf knapp 22 Euro. „Die Aktie befindet sich schon seit einigen Wochen im Aufwärtstrend. Im Juni kostete der Titel noch rund 16 Euro“, erklärt Vorhauser. Positiv sei bei den Anlegern auch angekommen, dass Valero aus strategischen Gründen das Einzelhandelsgeschäft auslagern wolle.

Telecom Italia verwischt Dividenden-Sorgen

Um mehr als 3 Prozent aufwärts geht es am heutigen Donnerstag für die Anteilsscheine von Telecom Italia (WKN 120470). „Nachdem der spanische Wettbewerber Telefonica in der vergangenen Woche die Dividende gestrichen hat, hatten die Anleger bei Telecom Italia mit einer ähnlichen Ankündigung gerechnet – diese Befürchtung ist dann aber doch nicht eingetreten“, erklärt Stadler. Im Gegensatz zu den Spaniern hält Telecom Italia sowohl an der Ausschüttungspolitik als auch an dem stabilen Ausblick auf das Gesamtjahr fest.

Veolia Environnement sucht neuen Chef

Der weltgrößte Wasserkonzern Veolia Environnement (WKN 501451) hat die Anleger mit seinen Halbjahreszahlen enttäuscht. Die Aktie, die ohnehin schon seit einiger Zeit unter Druck steht, sackte nach dem Geschäftsausweis um 9% ab. „Das Wassergeschäft läuft schlecht und der Konzern musste Abschreibungen in Italien vornehmen. Die Hoffnungen ruhen darauf, dass Veolia bald einen neuen Geschäftsführer findet, der das Unternehmen erfolgreich restrukturiert“, beobachtet Stadler.

© 2. August 2012/Karoline Kopp

UnternehmenBrancheLandWKN
UBS Bank Schweiz UB0Bl6
Toshiba Elektronik Japan 853676
Valero Tankstellen/Raffinerie USA 908683
Telecom Italia Telekommunikation Italien 120470
Veolia Environment Wasser Frankreich 501451
Anzeige