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Börse Frankfurt

DAX-Sentiment: Optimisten legen sich mit starken Gegnern an

Stimmungsindikator zum DAX

Die Bären, die sich seit Jahresbeginn einen harten Kampf mit dem steigenden DAX liefern, haben die Arena verlassen. Das Bullenlager hingegen findet zahlreiche neue Anhänger, obwohl die Krise gerade wieder frisch aufzuflammen scheint.

11. April 2012. FRANKFURT (Börse Frankfurt). Was die Betätigung des Risiko-Schalters angeht, sind sich Marktteilnehmer derzeit überhaupt nicht einig. Kaum drückt die eine Gruppe auf „Aus“, schaltet die andere schon wieder „An“. Die Wechsel verlaufen mittlerweile hektisch und in immer kürzeren Abständen. Verantwortlich für diese Tendenz ist sicherlich die jetzt wieder aufgeflammte Euro-Schuldenkrise. Einflussfaktoren gab es jedoch auch aus Übersee. Beispielsweise durch die überraschend schwachen US-Arbeitsmarktdaten, die am Karfreitag bekanntgegeben wurden.

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In der Eurozone ergaben sich jüngst Situationen, die stark an den Krisenbeginn im Frühjahr 2010 erinnerten. So beteuerte am vergangenen Donnerstag der spanische Wirtschaftsminister – von steigenden Renditen genötigt – in einem Interview, sein Land brauche keine Unterstützung von seinen Euro-Partnern. Spanien hätte nicht um Hilfe gebeten. So etwas läge auch nicht auf dem Tisch. Die Ähnlichkeit zu Äußerungen, die griechische Offizielle seinerzeit zum Besten gaben, als Hellas-Anleihen zusammengedroschen wurden, war erschreckend. Umso verständlicher waren diesmal die Reaktionen des deutschen Finanzministers Wolfgang Schäuble. Er verspürte am Wochenende das Bedürfnis, einen Appell an alle Beteiligten zu richten. Sie sollten damit aufhören „durch immer neue Forderungen, Gerüchte und Fragen das gerade aufkeimende Pflänzchen Vertrauen zu ersticken“. Die niedrigen Zinsen ließ er nicht unerwähnt. Deutschland hat seine neueste zehnjährige Staatsanleihe gerade mit einem 1,75-prozentigen Kupon ausgestattet – dem bislang niedrigsten Nominalzins in der Geschichte der Bundesrepublik. Schäuble wertet dies als „Zeichen von Verunsicherung“ und glaubt, dass die gegenwärtigen Renditeniveaus „langfristig nicht richtig sein können“. Heißt das im Umkehrschluss etwa, die Krise ist erst vorbei, wenn die Zinsen wieder deutlich höher liegen?

Für die von der Börse Frankfurt befragten Anleger war aber vermutlich nur das Niveau entscheidend, auf dem der DAX kurz vor bzw. nach Ostern notierte. Denn nach den zahlreichen, erfolglosen Versuchen der vergangenen Monate, ihre Untergewichtung verlustfrei aufzuheben, ist es den meisten nun endlich gelungen. Die institutionellen Bären, die sich seit Jahresbeginn einen harten Kampf mit dem bullishen DAX lieferten, haben die Arena verlassen – 13 Prozent der Befragten wanderten aus dem Bärenlager ab. Der Zeitpunkt dafür scheint dem objektiven Beobachter etwas ungünstig gewählt. Warum gerade jetzt, da doch fundamentale Verstärkung angerückt ist und das Finanzkrisenmonster trotz heftigem LTRO-Beschuss wieder aus seiner Ohnmacht zu erwachen scheint? Der Grund ist denkbar einfach: Der DAX hat ein Kursniveau erreicht, das den Bären den Ausstieg ermöglichte und einige von ihnen sogar mit Gewinnen belohnte. Das wollte sich niemand entgehen lassen. Nun haben die Institutionellen sich wieder mit dem steigenden DAX synchronisiert.

Der Optimismus ist diese Woche auf den zweithöchsten Wert des Jahres gestiegen – die stärkste bullishe Verschiebung in diesem Jahr. Bedeutet das, die Marktteilnehmer werden nun ihre Taktik ändern und sich beim nächsten Schwung nach oben dem DAX nicht mehr in den Weg stellen? Es wäre merkwürdig, wenn sie es nicht täten. Denn wer monatelang nur in eine Richtung dachte und damit am Ende noch einen Erfolg verbuchen konnte, wird wahrscheinlich nicht widerstehen können, sich bei höheren Kursen noch einmal an eine Short-Strategie zu wagen. Zudem muss den neuen Optimisten klar sein, wer ihnen das ersehnte Material angedient hat. Ein Blick auf den schwachen Euro-Wechselkurs sollte hierfür genügen. Und ein weiterer Blick auf den DAX müsste ausreichen, um zu erkennen, wer momentan der Stärkere ist.

© 11. April 2012/ Gianni Hirschmüller, cognitrend

Verhältnis Optimisten zu Pessimisten


 BullishBearishNeutral
Total 48 % 26 % 26 %
ggü. letzter Erhebung +11 % -13 % +2 %

DAX-Stimmungskurve


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Stand DAX 11.04.2012, 12:00 Uhr: 6.660 Punkte (-3,60% gegenüber der letzten Erhebung), Bull/Bear- Index: 62,2 Punkte

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