TecDAX-Sentiment: Die Pessimistenflucht geht weiter
Stimmungsindikator zum TecDAX
20. Juni 2012. FRANKFURT (Börse Frankfurt). Wie zerronnen, so gewonnen – muss es in Abwandlung der Redensart mit Blick auf die jüngste Kursentwicklung des Technologie-Index heißen. Anfangs noch ziemlich schwach auf der Brust, konnte der TecDAX erst in der zweiten Hälfte des Berichtszeitraumes wieder Boden gutmachen und bis auf das in der Vorwoche markierte Niveau zurückklettern, wodurch sich stichtagsbezogen praktisch keine Kursveränderung ergibt. Pünktlich zu seinem Ausscheiden aus dem Tech-Index hielt der auf die Solarbranche spezialisierte Maschinenbauer Centrotherm ein besonderes „Abschiedsgeschenk“ parat: Aufgrund akuter Finanzierungsprobleme des Unternehmens brachen die Titel kräftig ein – alleine am Donnerstag um über 26 Prozent auf ein Rekordtief seit dem Börsengang im Oktober 2007. Am Montag rückten dann Sartorius und Cancom für BB Biotech und Centrotherm in den TecDAX auf. Ab jenem Zeitpunkt prägten positiv lautende Schlagzeilen das Nachrichtenbild – zumindest was branchenbezogene Meldungen betrifft: So freute man sich bei Singulus etwa über die erfolgreich verlaufene Teilnahme an der Branchenmesse Intersolar in der vergangenen Woche. Und von Seiten des IT-Dienstleisters und -Händlers Bechtle hieß es, man rechne sich beim sogenannten Cloud-Computing „deutliches Wachstumspotenzial“ aus. Aus gesamtwirtschaftlicher Perspektive war die Lage indes weniger hoffnungsvoll: Die Erleichterung über den Wahlsieg der Euro-Befürworter in Griechenland war nicht gerade langlebig. Dazu stand die Sorge um Spaniens Anleihemarkt einfach viel zu sehr im Vordergrund.
Nichtsdestotrotz hat sich die Laune der mittelfristig orientierten Marktteilnehmer im Berichtszeitraum weiter aufgehellt. Bereits in der vorigen Woche hatten sich erste Skeptiker verabschiedet – nun zogen weitere nach: In unserer aktuellen Sentimenterhebung zeigt sich, dass das Bärenlager um satte 11 Prozent schrumpfte. Die abtrünnig gewordenen Pessimisten zog es dabei mehrheitlich an die Seitenlinie. Lediglich ein kleiner Teil wechselte direkt ins Lager der Bullen. Unser Stimmungsbarometer, der Bull/Bear-Index, konnte sich dadurch weiter nach oben schrauben – er notiert nun weit oberhalb seines bisherigen Jahresmittels, auf dem höchsten Stand seit Anfang Mai dieses Jahres. Dass die Stimmungsverbesserung gar so deutlich ausfiel, geht in erster Linie auf das Konto der Privatanleger, die sich insgesamt nochmals deutlich zuversichtlicher geben als ihre ebenfalls optimistischer gewordenen institutionellen Mitstreiter.
Mit Blick auf den Kursverlauf gilt: Zweimal kamen im Juni Abwärtsbewegungen des TecDAX bereits nach wenigen Tagen zum Erliegen. Einmal zu Monatsanfang und ein weiteres Mal in der Berichtswoche, wobei die aktuellen Rückschläge aufgrund der Short-Eindeckungen bereits wesentlich gebremster ausfielen. Dass nun ein weiterer Schwung einstiger Bären das Weite suchte, dürfte daher vor allem der Preisentwicklung und weniger der Nachrichtenlage zuzuschreiben sein. Dabei scheinen wie schon in der Vorwoche die wenigsten Anleger besorgt, eine mögliche Kursrally zu verpassen: Die meisten Investoren suchten schließlich erst einmal im neutralen Camp Unterschlupf und nicht etwa bei den Optimisten. Damit stellen die Akteure an der Seitenlinie nunmehr das zweitgrößte Lager. Ein kräftiges Durchatmen könnte dem TecDAX im gegenwärtigen Umfeld also durchaus leichter fallen. Denn ehe diese Investoren wieder aktiv werden, wünschen sie sich vermutlich deutlichere Kursausschläge als die bislang gesehenen.
© 20 Juni 2012/ Katrin Nink, cognitrend
Verhältnis Optimisten zu Pessimisten
| Bullish | Bearish | Neutral | Total | |
|---|---|---|---|---|
| Private | 39 % | 23 % | 38 % | 40 % |
| Institutionelle | 42 % | 27 % | 31 % | 60 % |
| Total | 41 % | 25 % | 34 % | 100 % |
| ggü. letzter Erhebung | +3 % | -11 % | +8 % |
TecDax-Stimmungskurve

Stand TecDAX 20.06.2012, 12.00 Uhr: 739 Punkte (+0,14 % gegenüber der letzten Erhebung), Bull/Bear-Index: 61,4 Punkte

