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Börse Frankfurt

HINTERGRUND/IPO: Das Fenster für Börsengänge in Europa ist derzeit geschlossen

29.06.2012 19:24

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    FRANKFURT/MAIN (dpa-AFX) - Evonik schiebt seinen Börsengang erneut auf, die
Pläne von Rheinmetall  verschwinden vorläufig wieder in den Schubladen
und auch zahlreiche andere IPO-Projekte liegen auf Halde. Nach dem Desaster bei
der Emission von Facebook   bremst das aktuelle Umfeld am
Aktienmarkt offensichtlich die Bereitschaft zu Börsengängen in Europa und den
Vereinigten Staaten. Besser sieht es derzeit nur in Asien aus.

    "Die Schuldenkrise in Europa ist natürlich Gift für das IPO-Klima", sagte
Martin Steinbach, Leiter des Bereichs IPO and Listing Services bei der
Unternehmensberatung Ernst & Young. Die Abkürzung IPO steht für Initial Public
Offering (erstmaliges öffentliches Angebot) - gemeint ist damit, dass ein
Unternehmen erstmals an die Börse geht. Die Stimmung an den Kapitalmärkten habe
sich im Juni angesichts der Zuspitzung der Krise in der Eurozone und der
schwächelnden Weltkonjunktur deutlich eingetrübt. "Sowohl Investoren als auch
Kandidaten scheuen diese Unsicherheit und warten derzeit auf bessere Zeiten",
erläutert Steinbach.

    "Das Fenster für Börsengänge ist derzeit so gut wie zu", pflichtet ihm
Fondsmanager Thilo Müller von MB Fund Advisory bei. Ein Börsenkandidat müsse
schon extrem "sexy" sein, um in Zeiten einer konjunkturellen Abkühlung und der
Schuldenkrise das Interesse der Anleger auf sich zu lenken. Der Experte rechnet
damit, dass die Unsicherheitsfaktoren um die Eurozone die Märkte auch noch im
zweiten Halbjahr beschäftigen werden.

    Laut dem aktuellen IPO-Barometer von Ernst & Young hat sich das Klima zwar
weltweit eingetrübt, besonders deutlich aber ist demnach der Rückgang auf beiden
Seiten des Atlantiks ausgefallen. Während in den USA im Juni kein einziges
Unternehmen den Sprung an die Börse gewagt habe, sei in Europa erstmals seit
mehr als 20 Jahren kein einziger Börsengang mit einem Volumen von mehr als 100
Millionen US-Dollar zu verzeichnen gewesen. Die weltweite Zahl sei von 173 im
April und Mai in diesem Monat auf nur noch 33 Börsengänge gefallen. China ist
gemäß den Statistiken im zweiten Quartal weiterhin der weltweit aktivste
IPO-Markt geblieben - wenn auch auf einem deutlich niedrigeren Niveau als noch
im Vorjahr.

    In dieses Bild passt, dass mit dem malaysischen Palmölhersteller Felda
ausgerechnet in Kuala Lumpur - einem international eher unbedeutenden
Finanzplatz - der zweitgrößte Börsengang des Jahres gelang. Das Papier schoss am
ersten Tag um bis zu 20 Prozent nach oben.

    Ganz anders verlief der spektakulärste Börsengang seit vielen Jahren. Das
soziale Netzwerk Facebook hatte mit seiner von Pannen des Börsenbetreibers
Nasdaq geprägten Emission im Mai 16 Milliarden Dollar erlöst. Mittlerweile
notieren die Papiere aber bei etwa 33 Dollar und damit ein gutes Stück unterhalb
des ursprünglichen Ausgabepreises von 38 Dollar, nachdem sie zeitweise sogar
schon unter 26 Dollar gefallen waren. "Sicherlich hat Facebook damit keinen
positiven Beitrag dazu gebracht, um das IPO-Klima zu verbessern", meint Müller.

    Zahlreiche große internationale Börsengänge sind zuletzt wegen der
unsicheren Lage an den Märkten weltweit auf Eis gelegt worden. Die Eigner des
deutschen Chemiekonzerns Evonik ließen den milliardenschweren IPO wegen zu
niedriger Gebote der Investoren platzen und wollen nun mit einem neuen Anlauf
mindestens eineinhalb Jahre warten. Auch der Rüstungskonzern Rheinmetall hofft
für die Abspaltung des Autozuliefergeschäfts nun auf bessere Zeiten. Schon lange
ein Kandidat in Wartestellung ist die Siemens -Tochter Osram.

    Experten rechnen mittelfristig aber weiterhin mit Potenzial am IPO-Markt.
"Wir sollten das Jahr 2012 noch nicht abschreiben", sagt Experte Steinbach. Der
Kapitalbedarf der Unternehmen sei groß und zudem müssten sie sich künftig
stärker in Richtung Kapitalmarkt orientieren, wenn die Banken bei der
Kreditvergabe tendenziell zurückhaltender sind./tih/he

    --- Von Timo Hausdorf, dpa-AFX ---



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