Bankeinlagen bei EZB auf höchstem Stand seit zwei Monaten
04.07.2012 11:10
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FRANKFURT (dpa-AFX) - Die eintägigen Einlagen der Geschäftsbanken bei der
Europäischen Zentralbank (EZB) sind einen Tag vor der mit Spannung erwarteten
Zinsentscheidung der Notenbank auf ein Zweimonatshoch gestiegen. Nach Zahlen der
EZB vom Mittwoch lagen die sogenannten Übernachteinlagen bei rund 806,5
Milliarden Euro. Das ist der höchste Stand seit dem 8. Mai. Für gewöhnlich
gelten die eintägigen Einlagen der Geldhäuser bei der Zentralbank als
Krisenindikator. Die Aussagekraft hat zuletzt aber unter der sehr großzügigen
Liquiditätszufuhr der EZB gelitten. Die Werte gelten deswegen als verzerrt.
Dennoch könnte das anhaltend hohe Niveau der Einlagenfazilität die EZB am
Donnerstag dazu bewegen, den Zins zu senken, den sie den Banken dafür zahlt.
Experten halten es für möglich, dass sie den Einlagenzins, der zurzeit schon
außergewöhnlich niedrig bei 0,25 Prozent liegt, entweder gleich auf null Prozent
oder leicht darüber senken könnte. Hochrangige EZB-Vertreter wie Österreichs
Notenbankchef Ewald Nowotny hatten diese Option zuletzt selbst ins Spiel
gebracht.
Ob ein solcher Schritt den gestörten Geldhandel zwischen den Banken oder die
sehr schwache Kreditvergabe im Euroraum beflügeln würde, gilt jedoch als
ungewiss. Zwar würde ein Nullzins auf kurzfristige Bankeinlagen den Anreiz
mindern, überschüssiges Zentralbankgeld bei der EZB zu parken. Der verspannte
Interbankenhandel jedoch geht nach Meinung vieler Bankvolkswirte nicht auf das
Zinsniveau zurück, sondern vielmehr auf das große Misstrauen gegenüber
südeuropäischen Geldhäusern. Das Kreditvolumen wiederum dürfte vor allem wegen
der krisenbedingt schwachen Nachfrage nach Bankkrediten rückläufig sein./bgf/jkr
