Bitte warten...
Börse Frankfurt

ROUNDUP 2: Job-Boom auf Sparflamme - Bundesagentur sieht dennoch keine Wende

28.06.2012 14:12

Anzeige

    NÜRNBERG (dpa-AFX) - Nach drei Jahren Aufschwung am Arbeitsmarkt köchelt der
deutsche Job-Boom nur noch auf Sparflamme. Im Juni sank die Zahl der
Arbeitslosen im Vergleich zum Vormonat nur um 46 000 auf 2,809 Millionen, wie
die Bundesagentur für Arbeit (BA) am Donnerstag in Nürnberg mitteilte. Dies ist
der schwächste Rückgang der Erwerbslosenzahl in einem Juni seit zehn Jahren.
Trotzdem verzeichnen die deutschen Arbeitsagenturen weiterhin ein Rekordtief bei
der Arbeitslosigkeit: Weniger Jobsucher gab es in einem Juni zuletzt vor 21
Jahren. Die bundesweite Arbeitslosenquote sank seit Mai um 0,1 Punkte auf 6,6
Prozent.

    BA-Vorstandschef Frank-Jürgen Weise blieb bei der Bekanntgabe der Daten bei
seiner vorsichtig-optimistischen Einschätzung. Dabei räumte er ein: "Auf dem
deutschen Arbeitsmarkt gibt es im Juni Anzeichen einer schwächeren Entwicklung."
Auch sinke seit ein paar Monaten die Zahl der offenen Stellen. "Die
Arbeitskräftenachfrage hat ihren Höhepunkt überschritten."

    Vor einer Wende zum Schlechteren sieht er den Arbeitsmarkt dennoch nicht:
"In diesem Jahr ist mit hoher Wahrscheinlichkeit keine Trendwende zu erwarten",
betonte Weise. "Dafür, dass sich das Blatt wendet, gibt es keine belegbaren
Fakten."

    Als Beispiele nannte er die gute Lage der Bauwirtschaft und die gute
Binnennachfrage - beide stützten den Arbeitsmarkt. "Es ist nicht zu erwarten,
dass sich in diesem Jahr daran etwas ändert." Unklar sei allerdings die
Entwicklung im Jahr 2013. Risiken im Zusammenhang mit der Euro-Schuldenkrise
könnten dazu führen, dass sich der Arbeitsmarkt im kommenden Jahr
verschlechtere.

    Zugleich warnte Weise angesichts eines Rekordtiefs bei den Erwerbslosen vor
überzogenen Erwartungen: "Wir haben eine gute Ausgangsbasis. Und man muss sich
daher fragen: Wie weit kann Arbeitslosigkeit noch zurückgehen?"

    Die jüngste Entlassungswelle bei der insolventen Drogeriemarktkette
Schlecker wird sich nach BA-Einschätzung erst in den Juli-Zahlen auswirken. Die
vom endgültigen Aus betroffenen 13 000 Schlecker-Mitarbeiter erhalten erst in
diesen Tagen ihre Kündigungen.

    Von 11 500 Schlecker-Frauen, die bereits vor einigen Wochen ihren Job
verloren haben, hätten bereits 2500 eine neue Arbeit gefunden, hieß es. Weitere
2550 seien in Ruhestand gegangen, im Mutterschutz oder hätten sich aus anderen
Gründen nicht länger arbeitslos gemeldet. Andere nähmen an einem
Bewerbungstraining teil oder machten sich in Kursen mit modernen Kassensystemen
vertraut.

    Kaum noch Schub erhält der Arbeitsmarkt von der Konjunktur: Für den Rückgang
der Juni-Erwerbslosigkeit sind allein jahreszeitliche Effekte verantwortlich.
Ohne diese wäre die Zahl der Arbeitslosen im Juni um 7000 auf 2,882 Millionen
gestiegen.

    Auch liegt die Arbeitslosigkeit nur noch unwesentlich unter dem
Vorjahresniveau. Noch im März 2011 hatte es fast 350 000 Jobsucher weniger
gegeben als im Jahr davor; inzwischen sind es nur noch 84 000. In drei
Bundesländern - dem Saarland, Rheinland-Pfalz und NRW
- lag die Arbeitslosigkeit im Juni sogar schon wieder über dem
Vorjahresniveau.

    Als Hinweis auf eine stabile Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt sieht die
Bundesagentur vor allem die immer noch steigende Zahl der Arbeitsplätze in
deutschen Betrieben. Die Zahl der Erwerbstätigen stieg nach den jüngsten Daten
vom Mai auf 41,58 Millionen, ein Plus von 561 000 binnen eines Jahres. Die Zahl
der regulären Jobs lag im April bei 28,88 Millionen und damit um 666 000 über
dem Vorjahresmonat.

    Diese sozialversicherungspflichtige Beschäftigung wächst den Angaben zufolge
in allen Bundesländern und in den meisten Branchen. Dagegen zeichnet sich im
öffentlichen Dienst und bei Zeitarbeitsunternehmen ein Stellenabbau
ab./kts/DP/bgf


Anzeige