Bitte warten...
Börse Frankfurt

ots.CorporateNews: Neues Deutschland / Neues Deutschland: Draghi will den Euro retten

27.07.2012 16:59

Anzeige

    Neues Deutschland: Draghi will den Euro retten
   Berlin (ots) - Mario Draghi will die »Bazooka« wieder auspacken. 
Am Donnerstag hat der Chef der Europäischen Zentralbank (EZB) in 
London angekündigt, alles daran zu setzen, um den Euro zu retten. Und
das solle genug sein, fügte er selbstsicher hinzu. Doch ob Draghi der
lang erwartete Befreiungsschlag gelingen wird oder ob er sich mit 
seiner Aussage vielmehr selbst unnötig in Bedrängnis gebracht hat, 
bleibt offen. In der Tat ist die EZB zurzeit die mächtigste 
Institution im Euroraum. In normalen Zeiten kann sie mit ihren 
geldpolitischen Entscheidungen, wie der Senkung oder Anhebung des 
Leitzinses, enorm die Wirtschaft beeinflussen. Das wissen auch die 
Märkte. Deswegen haben sie sofort nach Draghis Ankündigung mit 
Kurssprüngen reagiert. Doch jetzt muss er liefern. Und das ist das 
Problem. Denn was Draghi offenbar vorschwebt, ist der erneute Aufkauf
von Staatsanleihen. Damit wird er versuchen wollen, die 
Zinsaufschläge für spanische und italienische Anleihen auf ein 
erträgliches Niveau zu senken. Aber Mario Draghi kann über eine 
solche Aktion nicht alleine entscheiden. Das muss im EZB-Rat 
abgestimmt werden. Und dort sitzt unter anderem der Merkel-Vertraute 
und Chef der Deutschen Bundesbank, Jens Weidmann. Er hat sich in der 
Vergangenheit immer wieder gegen Staatsanleihenkäufe ausgesprochen. 
Weidmann teilt die alte deutsche Angst, dass damit indirekt Staaten 
finanziert würden und dies letzten Endes in eine Inflation führe. 
Denn die Lehre aus dem Hyperinflationsjahr 1923 in Deutschland ist 
immer noch: Steigt die Geldmenge, weil der Staat »Geld druckt«, 
steigen unweigerlich auch die Preise. Doch weder Draghi noch Weidmann
werden wahrscheinlich Recht haben. Schon die letzten Anleihenaufkäufe
waren nicht der erhoffte Befreiungsschlag. Die Zinsaufschläge für die
Anleihen der krisengeschüttelten Staaten sind immer nur kurzfristig 
gefallen. Denn wir erleben gerade etwas, was 
Wirtschaftswissenschaftler eine »Liquiditätsfalle« nennen. Die Lage 
ist so angespannt, dass das Geld, das die EZB an die Banken ausgibt, 
nicht in den Wirtschaftskreislauf gerät. Die Banken geben das Geld 
weder an die Realwirtschaft in Form von Krediten weiter, noch kaufen 
sie damit langfristig Anleihen von Krisenstaaten. Stattdessen horten 
sie lieber das Geld. Die Banken legen es in diesen Zeiten in 
»sicheren Häfen« an, etwa in deutsche Staatsanleihen, oder bringen 
das Geld gleich wieder direkt zur EZB zurück. Deswegen steigen auch 
nicht die Preise. Eher besteht zurzeit sogar die Gefahr, dass die 
Preise sinken und die Rezession damit verstärkt wird. Denn die 
Realwirtschaft in Europa steckt so tief in der Krise, dass selbst die
EZB es nicht schafft, alleine Abhilfe zu schaffen. So lange rigide 
Sparmaßnahmen in den Krisenländern auf Kosten der breiten Bevölkerung
durchgesetzt werden, werden sich die dortigen Wirtschaften nicht 
erholen. Wo die Menschen kein Geld zum Ausgeben haben, können eben 
keine Geschäfte gemacht werden. Und deswegen wird nicht investiert. 
So lange sich das nicht ändert, bleiben Ankündigungen wie die von 
Mario Draghi so etwas wie Aspirin für die Märkte. Sie können das 
Fieber zwar kurzfristig senken, die Krankheit heilen sie aber nicht.

Originaltext:         Neues Deutschland
Digitale Pressemappe: http://www.presseportal.de/pm/59019
Pressemappe via RSS : http://www.presseportal.de/rss/pm_59019.rss2

Pressekontakt:
Neues Deutschland
Redaktion

Telefon: 030/2978-1715


Anzeige