ROUNDUP: Eurokrise belastet auch zunehmend deutsche Industrieaufträge
07.08.2012 15:17
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BERLIN (dpa-AFX) - Die Krise in der Eurozone hat sich im Juni auch auf die
deutschen Auftragseingänge ausgewirkt. Vor allem die rückläufige Nachfrage aus
den Ländern der Eurozone hat die Nachfrage gedämpft. Das gesamte Auftragsvolumen
sei um 1,7 Prozent zum Vormonat gefallen, teilte das Wirtschaftsministerium am
Dienstag in Berlin mit. Volkswirte hatten lediglich mit einem Rückgang um 0,8
Prozent gerechnet. Der Vormonatswert wurde leicht auf 0,7 Prozent (zunächst: 0,6
Prozent) nach oben revidiert.
Die Nachfrage aus dem Inland fiel um 2,1 Prozent. Besonders deutlich war
aber der Rückgang der Aufträge aus der Eurozone, wo die Aufträge um 4,9 Prozent
fielen. Die Aufträge aus den Ländern außerhalb der Eurozone stiegen hingegen
leicht um 0,6 Prozent. "Die Krise im Euroraum macht sich somit zunehmend in den
Kernländern des Währungsraums bemerkbar", heißt es in einem Kommentar der
Commerzbank. In den kommenden Monaten sei daher auch nicht mit einem Wachstum
der Industrieproduktion zu rechnen. "Auf Basis der Relation zwischen
Einkaufsmanagerindex im verarbeitenden Gewerbe und Bruttoinlandsprodukt muss
befürchtet werden, dass die deutsche Wirtschaft im dritten Quartal schrumpfen
wird."
RISIKEN FÜR DIE KONJUNKTUR GESTIEGEN
Die Postbank hingegen bleibt trotz der unerwartet schlechten Daten zum
Auftragseingang mit Blick auf die weitere konjunkturelle Entwicklung nach wie
vor leicht positiv gestimmt. "Die schwächer als erwartet ausgefallenen
Auftragsdaten reichen nicht aus, um unsere Erwartung eines leichten
BIP-Wachstums im zweiten Halbjahr zu revidieren", hieß es in einer Analyse.
Allerdings hätten sich die Risiken für die Konjunktur in der größten
europäischen Volkswirtschaft "ein Stück weit nach unten verschoben".
Unter den einzelnen Produktgruppen verbuchten die Hersteller von
Vorleistungs- (minus 3,2 Prozent) und Investitionsgütern (minus 1,0 Prozent) im
Juni weniger Aufträge. Die Nachfrage nach Konsumgütern veränderte sich kaum
(minus 0,1 Prozent). Im Zweimonatsvergleich Mai/Juni gegenüber März/April
nahmen die Aufträge insgesamt um 0,8 Prozent ab. Schwächeren Inlandsbestellungen
(minus 2,1 Prozent) stand ein leichtes Auftragsplus aus dem Ausland (plus 0,3
Prozent) gegenüber. Im Vergleich zum Vorjahr sanken die Industrieaufträge im
Mai/Juni arbeitstäglich bereinigt um 6,6 Prozent. Die Inlandsnachfrage fiel um
9,2 Prozent und die Auslandsnachfrage um 4,6 Prozent.
MINISTERIUM SIEHT KEINEN TREND
"Die Bestellungen in der Industrie weisen derzeit keinen eindeutigen Trend
auf", schreibt das Wirtschaftsministerium. Insgesamt bleibe die Bestelltätigkeit
stabil. Der Umfang von Großaufträgen sei für einen Juni durchschnittlich
gewesen.
^Die Entwicklung im Überblick
Juni Prognose Vormonat
Monatsvergleich -1,7 -0,8 +0,7r
Jahresvergleich -7,8 -7,0 -5,3r°
(Angaben in Prozent)
/jsl/jkr/wiz
