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Börse Frankfurt

IPO/ROUNDUP: Nach Facebook-Debakel: US-Politiker wollen Börsengänge umkrempeln

21.06.2012 15:52

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    WASHINGTON (dpa-AFX) - Der holprige Börsengang von Facebook 
 könnte ein Nachspiel haben: Politiker aus den beiden großen politischen
Lagern in Washington fordern, das Prozedere beim Sprung aufs Parkett grundlegend
zu überdenken. Sie wollen insbesondere die Stellung der Kleinanleger verbessern,
die teils hohe Verluste mit den Aktien des sozialen Netzwerks erlitten haben.

    Der Fall Facebook habe gezeigt, "dass der Prozess des Börsengangs erhebliche
Mängel aufweist", erklärte der republikanische Abgeordnete Darrell Issa in einem
am Mittwoch bekannt gewordenen Brief an die Chefin der US-Börsenaufsicht SEC,
Mary Shapiro. Das zugrunde liegende Gesetz von 1933 - der Securities Act - sei
"überholt".

    Der Aktienkurs von Facebook stützt Issas Auffassung: Nach einem kurzzeitigen
Plus war das Papier schon am zweiten Handelstag massiv gefallen und verlor in
den Wochen darauf in der Spitze 33 Prozent an Wert. Im vorbörslichen Handel am
Donnerstag lag die Aktie 17 Prozent unter dem Ausgabekurs von Mitte Mai.

    Issa, der den Brief als Vorsitzender eines Kongressausschusses verfasst hat,
bemängelte beim Börsenprozedere insbesondere die Macht der beteiligten Banken,
die den Preis faktisch diktieren könnten. Das sei gefährlich, weil es
Interessenkonflikte gebe, etwa geschäftliche Beziehungen der Banken zu großen
Investoren. Beim Börsengang von Facebook war Morgan Stanley  
das führende Institut.

    Der Politiker stellte die Frage, ob nicht statt eines vorher festgelegten
Verkaufspreises für die Aktien eine Auktion die bessere Wahl wäre. Der
Suchmaschinen-Betreiber Google   hatte seine Aktien im Jahr
2004 mit einer sogenannten Holländischen Auktion unters Volk gebracht. Dabei
geben Käufer und Verkäufer ihre Gebote verdeckt ab und es wird ein Preis
errechnet, mit dem beide Seiten leben können.

    Für Aufregung sorgte beim Facebook-Börsengang vor allem, dass beteiligte
Banken kurz vor dem Aktienverkauf gute Kunden gewarnt hatten, dass das Soziale
Netzwerk langsamer als gedacht wachsen könnte. Nun laufen Klagen von
Kleinanlegern, die diese Information nicht hatten.

    "Die heutige Wahrnehmung ist, dass Privatanleger im Nachteil sind", sagte
der demokratische Senator Jack Reed dem "Wall Street Journal". "In vielleicht
allzu vielen Fällen ist dies auch die Realität." Bei Facebook war mit 26 Prozent
ein ungewöhnlich hoher Anteil der Aktien an Privatleute gegangen. Üblich ist
etwa die Hälfte dessen.

    Morgan Stanley und Facebook müssen sich nun die Kritik gefallen lassen, die
Aktien mit 38 Dollar das Stück zu teuer verkauft zu haben. Zuletzt war das
Papier noch knapp 32 US-Dollar wert. Der Chef von Morgan Stanley, James Gorman,
rieb in einem Fernsehinterview Anfang Juni sogar noch Salz in die Wunden: "Die
Leute, die dachten, sie könnten diese Aktie kaufen und einen enormen Sprung
erleben, waren naiv."

    Technische Pannen auf Seiten des Börsenbetreibers Nasdaq hatten den
Börsengang zusätzlich belastet: Aufträge wurden nicht oder verspätet ausgeführt
und Anleger wussten teils über Stunden nicht, ob sie nun Aktien bekommen hatten.

    "Die Banken haben dieses fehlerhafte Gesetz fast 80 Jahre genießen können",
schloss Issa seinen Brief zum Securities Act. Es sei nun an der Zeit für
Reformen. Der Ausschussvorsitzende hat SEC-Chefin Shapiro eine Frist bis zum 3.
Juli gesetzt, bis zu der ihre Behörde Fragen beantworten und
Verbesserungsvorschläge unterbreiten soll./das/DP/jha


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