ROUNDUP 3: Spaniens Banken brauchen bis zu 62 Milliarden Euro - Europa hilft
21.06.2012 20:47
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MADRID/LUXEMBURG (dpa-AFX) - Die angeschlagenen spanischen Banken brauchen
für ihre Rettung bis zu 62 Milliarden Euro. Dies geht aus zwei Gutachten der
Beratungsunternehmen Oliver Wyman und Roland Berger hervor. Die
Euro-Finanzminister signalisierten laut Diplomaten am Donnerstag bei ihrem
Treffen in Luxemburg, mit Notkrediten helfen zu wollen. Die Eurogruppe hatte
bereits vor knapp zwei Wochen den spanischen Banken Unterstützung im Umfang von
bis zu 100 Milliarden Euro in Aussicht gestellt.
Der offizielle Antrag für die Notkredite steht aber noch aus.
Wirtschaftsminister Luis de Guindos sagte am Rande der Beratungen mit seinen
Amtskollegen, das offizielle Gesuch werde erst in den nächsten Tagen gestellt.
Der Internationale Währungsfonds (IWF) hatte den Finanzbedarf der spanischen
Banken auf mindestens 40 Milliarden Euro geschätzt. Ökonomen sprachen von 60 bis
80 Milliarden Euro.
HOHE RISIKOPRÄMIEN
Das Euro-Schwergewicht Spanien steht angesichts seiner heftigen Bankenkrise
unter dem Druck der Finanzmärkte und muss hohe Risikoprämien für seine
langfristigen Staatsanleihen zahlen. Auch das hochverschuldete Italien ist
krisengebeutelt und steht verschärft im Fokus der Märkte.
Laut Gutachten von Oliver Wyman brauchen die Geldhäuser in Spanien im
schlimmsten Fall zwischen 51 und 62 Milliarden Euro. Roland Berger bezifferte
den Kapitalbedarf auf höchstens 51,8 Milliarden Euro. Der Vizechef der
spanischen Zentralbank, Fernando Restoy, gab die Ergebnisse der Gutachten in
Madrid bekannt.
PRIVATE FINANZQUELLEN
Spanien wird nach den Worten von Vize-Wirtschaftsminister Fernando Jiménez
Latorre nicht die gesamte Summe von bis zu 62 Milliarden Euro aus dem
europäischen Rettungsschirm benötigen, weil mehrere Geldinstitute ihren
Kapitalbedarf über private Finanzquellen decken könnten. Der Löwenanteil des
Fehlbetrags entfalle auf die bereits vom Staat gestützten Institute Bankia sowie
die drei Geldhäuser Nova Caixa Galicia, Caixa Catalunya und die Banco de
Valencia.
Eines dieser drei letztgenannten Institute könnte nach Ansicht von
EU-Wettbewerbskommissar Joaquín Almunia gar geschlossen werden. Mit dieser
Äußerung hatte der spanische Sozialist vor einer Woche in seinem Heimatland
Unruhe ausgelöst. Das Madrider Wirtschaftsministerium und der staatliche
Bankenrettungsfonds Frob betonten postwendend, die Schließung einer Bank sei
nicht vorgesehen.
SCHÄUBLE HÄLT AN FAHRPLAN FEST
Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) sagte vor Veröffentlichung der
Gutachten in Luxemburg: "Es geht alles seinen geregelten und geordneten Gang."
Es gebe zu dem vereinbarten Fahrplan keine Veränderungen.
In der Debatte um mögliche Anleihenkäufe durch den Rettungsfonds EFSF
verwies Schäuble auf vertragliche Regelungen. Der Vertrag für den EFSF erlaube
unter bestimmten Bedingungen Aufkäufe auf dem sogenannten Sekundärmarkt - dort
werden bereits ausgegebene Anleihen gehandelt. "Das ist bekannt, das ist
geregelt." Ein Land müsse einen Antrag stellen, und es müsse ein
Anpassungsprogramm geben, sagte Schäuble.
HILFE FÜR GRIECHENLAND
Die Minister berieten auch über das Hilfsprogramm für Griechenland. Mit
schnellen Beschlüssen zu einer möglichen Verlängerung von Rückzahlungsfristen
wurde nicht gerechnet. Interims-Kassenhüter Giorgos Zanias vertrat Athen -
Amtsnachfolger Vasilios Rapanos konnte nicht rechtzeitig vereidigt werden. Schon
vor dem Treffen war klargeworden, dass der Hilfsvertrag zwischen Athen und
seinen internationalen Geldgebern neu verhandelt werden muss. Wie das im Detail
aussehen wird, war noch nicht klar. Experten der "Troika" werden noch den Worten
von EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso in den nächsten Tagen nach Athen
reisen, um sich ein deutliches Bild der finanziellen Lage zu machen.
Auch IWF-Chefin Christine Lagarde kam ins Großherzogtum. Sie versicherte,
der Weltwährungsfonds werde sein "gesamtes Wissen und seine Einschätzungen zur
Verfügung stellen, damit die Europäer ihre Ziele erreichen". Beim G20-Treffen in
Mexiko zu Wochenbeginn waren die Europäer wegen der Schuldenkrise von
internationalen Partnern scharf kritisiert worden./pla/cb/pe/rad/DP/stw
