Opel-Chef Girsky: Müssen das Geschäft anders machen
15.07.2012 14:30
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BERLIN (dpa-AFX) - Opel-Interimschef Stephen Girsky will die
Unternehmensstrategie ändern und hat von seinen Mitarbeitern zusätzliche
Anstrengungen verlangt. "Unsere erfolgreiche Revitalisierung erfordert von uns
allen die Bereitschaft, das Geschäft anders zu machen als bisher und dabei
schnell zu handeln. Jeder Einzelne von uns ist verantwortlich für die
Ergebnisse", schrieb Girsky in einer E-Mail an die Opelaner, über die die
"Bild"-Zeitung am Samstag berichtete.
Der überraschende Abschied von Opel-Vorstandschef Karl Friedrich Stracke hat
beim angeschlagenen Autobauer neue Ängste vor einem Kahlschlag geschürt. Insider
sind überzeugt, dass die US-Mutter General Motors (GM) einen Nachfolger
einsetzen wird, der härter durchgreift. Als heißester Kandidat für den
Chefposten gilt Strategievorstand Thomas Sedran. Auch Opel-Produktionsvorstand
Peter Thom werden Chancen eingeräumt. Nach Informationen von "Bild" wird der
Aufsichtsrat von Opel am Dienstag zu einer Sondersitzung zusammentreffen.
IG-Metall-Chef Berthold Huber forderte in der "Süddeutschen Zeitung" einen
entschlossenen Vorstand, der gemeinsam mit der Belegschaft Opel nach vorne
bringt. "Wir brauchen jemanden, der die Beschäftigten einbezieht. Manager, die
mit frischen Ideen für eine Aufbruchstimmung sorgen", sagte er.
Girsky betonte in seiner Mail, dass der eingeschlagene Sanierungskurs auf
jeden Fall weitergeht: Die "dringenden Arbeiten zur Wiederherstellung einer
nachhaltigen Profitabilität bei Opel/Vauxhall und GM in Europa" würden ohne
Unterbrechung fortgesetzt. Gesamtbetriebsratsvorsitzender Wolfgang Schäfer-Klug
war am Wochenende für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.
Huber warnte die Konzernmutter General Motors davor, die Vereinbarungen mit
der Arbeitnehmerseite einseitig zu brechen. Die IG Metall sei knallhart. Man
gehe davon aus, "dass die Garantien für die Werke und die Arbeitsplätze bis Ende
2016 weiter gelten", sagte Huber. Man gebe "keinen einzigen Standort preis".
Auf die Frage, was geschehe, falls sich GM nicht an die Vereinbarungen
halte, meinte der Gewerkschafter: "Davor kann ich nur warnen." Wer Opel aufgeben
wolle, müsse wissen: "Das wären die teuersten Werksschließungen, die ein Konzern
jemals in Deutschland versucht hätte. Das würde Unsummen kosten."
Der Bochumer Betriebsratschef Rainer Einenkel sagte dem Magazin "Focus":
"Diese Vereinbarung ist nicht mit Stracke getroffen worden". Deshalb müsse der
mit dem GM-Verwaltungsrat vereinbarte Verzicht auf betriebsbedingte Kündigungen
auch nach Strackes Rücktritt gelten. Als Gegenleistung für die Job-Garantie
sollen die rund 21 000 deutschen Opel-Mitarbeiter Sparbeiträge leisten.
Nordrhein-Westfalens Wirtschaftsminister Garrelt Duin (SPD) kritisierte im
Berliner "Tagesspiegel" die Unternehmensstrategie von Opel. "Ohne eine erneuerte
und breitere Modellpalette wird es für Opel schwierig", sagte er dem Blatt. Opel
brauche eine Produktpalette, "die die Leute vom Hocker reißt". In NRW arbeiten
im Opel-Werk Bochum 3.200 Menschen./cru/DP/stb
