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Börse Frankfurt

ROUNDUP 2: Praktiker-Sanierung steht - Einigung auf turbulenter Hauptversammlung

04.07.2012 22:04

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    HAMBURG (dpa-AFX) - Rettung in letzter Minute: Die beiden Großaktionäre der
kriselnden Baumarktkette Praktiker  haben nach einer Kehrtwende nun
doch grünes Licht für ein Sanierungskonzept signalisiert. Deren Fondsmanagerin
Isabella Krassny kündigte bei der Hauptversammlung am Mittwochabend in Hamburg
an, dem Konzept zuzustimmen. "Ich habe mich zu dem Kompromiss entschlossen,
damit der Fortbestand des Unternehmens auf keinen Fall gefährdet ist", sagte de
Krassny. Zuvor hatte der Vorstand von einer drohenden Insolvenz gesprochen. Eine
dringend benötigte Kapitalspritze des US-Investors Anchorage über 85 Millionen
Euro muss nun noch ausverhandelt werden.

    In einer spannungsgeladenen Hauptversammlung war eine wesentliche Forderung
der Großaktionäre erfüllt worden: Zwei Aufsichtsräte treten zurück. Und für den
Vorstand sollen weitere Mitglieder gesucht werden, für die Sparten Einkauf sowie
Vertrieb.

    Die Managerin, die den zypriotischen Finanzfonds Maseltov (zehn Prozent
Anteil) sowie die österreichische Privatbank Semper Constantia mit rund fünf
Prozent Anteil vertritt, hatte das Sanierungspaket zunächst als inakzeptabel
abgelehnt. Praktiker schrieb 2011 im Konzern rund eine halbe Milliarde Euro
Verlust.

    In den Aufsichtsrat sollen zwei Mitglieder einziehen, die die Fondsmanagerin
vorgeschlagen hatte. Namentlich sind dies Armin Burger vom Aufsichtsrat der
Vivatis AG in Linz (Österreich) sowie der Aufsichtsratschef der Privatbank
Semper, Erhard Grosnigg. Aus dem Aufsichtsrat scheidet Kay Hafner aus, der zur
vorübergehenden Führung an die Praktiker-Spitze delegiert worden war. Auch das
Mitglied EbbePelle Jacobsen geht.

    Fondsmanagerin de Krassny setzt nun auf "ihre" beiden Aufsichtsräte bei der
Ausverhandlung des Anchorage-Darlehens, die die Max-Bahr-Märkte als Sicherheit
haben wollen. Die Kontrolleure sollen sicherstellen, dass Max Bahr nicht
letztendlich als Perle mit einem Unternehmenswert von 112 Millionen Euro
verloren geht. "Ich bin immer noch gegen Anchorage", sagte de Krassny nach der
Einigung. Aber ohne ihre Zustimmung hätte Anchorage den Vertrag gleich platzen
lassen. "Ich bin gezwungen worden zuzustimmen."

    Auch ihren Gegenentwurf will die Managerin weiter verfolgen und zu
bereitstehenden 55 Millionen Euro 30 Millionen Euro einsammeln. Nach ihrem
Willen soll auch Vorstandschef Hafner ersetzt werden - von einem früheren
Obi-Baumarktchef Andreas Sandmann. "Er ist vom Fach", sagte de Krassny.

    Vor der Generaldebatte hatten die Vorstände offen von der Gefahr einer
Insolvenz gesprochen, sollte ihr Rettungskonzept nicht die Zustimmung der
Aktionäre erhalten. Die Anteilseigner reagierten aufgebracht, warfen dem
Management Erpressung vor und stellten Rücktrittsforderungen. Der Schlagabtausch
bei der Hauptversammlung zog sich bis in den Abend hin. Die Heimwerkermärkte
brauchen nach Angaben des Vorstands insgesamt mehr als 200 Millionen Euro
Finanzmittel. Interimschef Kay Hafner sagte: "Es geht um die Zukunft, oder noch
konkreter: Es geht ums Überleben."

    Wegen des Drucks und der Drohkulisse sprachen Aktionäre von Erpressung,
allen voran Isabella de Krassny. "Wir lassen uns nicht erpressen", rief sie. "Es
ist grob fahrlässig, dass wir seit einem Jahr keinen Vorstand haben, der etwas
vom Geschäft versteht." Wie sie forderten Anteilseigner den Rücktritt des
Aufsichtsrats - und auch des Vorstands, unter anderem wegen Missmanagement,
Planlosigkeit, ungenügender Informationen, mangelnder Transparenz.

    Den Abtritt der kompletten Führungsriegen verlangte auch die
Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger. "Sie können es nicht", polterte
SdK-Vorstandsmitglied Markus Neumann. Für die Deutsche Schutzvereinigung für
Wertpapierbesitz (DSW) verwies Dirk Unrau darauf: "Sie haben das Unternehmen an
den Rand des Ruins gebracht, und gewiss nicht die Aktionäre."

    In die geplante Finanzierung der Sanierung hat der Vorstand auch 70
Millionen Euro eingerechnet, die aus Veräußerungen sowie einer Kreditlinie über
40 Millionen Euro kommen sollen. Spätestens 2014 will Hafner mit der
Zwei-Marken-Strategie wieder schwarze Zahlen schreiben.

    Vorstandschef Hafner plant, 120 der 234 Praktiker-Märkte auf die
angesehenere Schwestermarke Max Bahr umzuflaggen. Max Bahr (aktuell 78 Filialen)
solle zur "Hauptvertriebslinie in Deutschland" weiterentwickelt werden, erklärte
Hafner. Auch die Marke Praktiker solle - mit der Strategie "Weg vom
Preisaktionismus" hin zum "dauerhaft niedrigen Regalpreis" - zukunftsfähig
werden. Sie ist wegen einer verfehlten Rabattstrategie mit Slogans wie "20
Prozent auf alles - außer Tiernahrung" ins Straucheln geraten.

    Aktuell hat Praktiker rund 7700 Arbeitsplätze, Max Bahr knapp 2900. Rund
8300 kommen im Ausland hinzu, wo 111 Filialen ebenfalls auf den Prüfstand
stehen. Derzeit verlegt das Unternehmen seinen Firmensitz von Kirkel im Saarland
nach Hamburg. Dieser Umzug soll im September abgeschlossen sein./akp/DP/he


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