ROUNDUP: Commerzbank wird immer kleiner - Analyst: Regionalliga
31.07.2012 13:09
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FRANKFURT (dpa-AFX) - Commerzbank-Chef Martin Blessing stutzt sein Institut
immer weiter zurecht. Am Montagabend zog er einen Schlussstrich unter das
Ukraine-Abenteuer des zweitgrößten deutschen Geldhauses. Die erst vor vier
Jahren erworbene Bank Forum soll an eine ukrainische Investorengruppe verkauft
werden. Die Tochter hatte die in sie gesetzten Erwartungen nie erfüllt. Auch für
die Zukunft hatte die seit der Finanzkrise teilverstaatlichte Commerzbank wenig
Hoffnung auf Besserung. Für die Trennung nimmt sie nun Abschreibungen von 286
Millionen Euro in Kauf.
Im zweiten Quartal vermied das Institut trotzdem einen weiteren
Gewinneinbruch. Nachdem die Bank vor einem Jahr wegen hoher Abschreibungen auf
ihre griechischen Staatsanleihen operativ nur noch 55 Millionen Euro verdient
hatte, rechnet das Management nun mit einem Gewinn von 450 Millionen Euro. Im
gesamten ersten Halbjahr verdiente die Commerzbank nach vorläufigen Berechnungen
rund eine Milliarde Euro (Vorjahr: 1,2 Mrd). Beim Vorsteuerergebnis rechnet sie
in den ersten sechs Monaten mit einem Gewinn von rund 900 Millionen Euro
(Vorjahr: 1,2 Mrd Euro), davon rund 350 Millionen Euro im zweiten Quartal 2012.
Die genauen Zahlen legt das Geldhaus am 9. August vor.
Dabei belastet der Verkauf in der Ukraine zunächst nur mit 86 Millionen
Euro. Die übrigen 200 Millionen Euro Wertminderung fallen erst dann an, wenn das
Geschäft abgeschlossen ist. Das liegt an Währungseffekten. Die Commerzbank hatte
während ihres Engagements Rücklagen in der ukrainischen Währung bilden müssen.
Da die Griwna in dieser Zeit gegenüber dem Euro an Wert verlor, müssen die
Deutschen die Differenz abschreiben. Dies wird aber der Bank zufolge nicht mehr
das Eigenkapital belasten. Die Transaktion muss noch von den Aufsichtsbehörden
genehmigt werden.
Überraschend kommt der Verkauf nicht. Die Commerzbank hatte bereits
angekündigt, sich auf Deutschland und Polen konzentrieren zu wollen. Schon im
vergangenen Jahr hatte das Institut die Kreditvergabe außerhalb dieser beiden
Kernmärkte gestoppt, um sein Kapital zu schonen. Die Trennung ist Teil der
laufenden Überprüfung der Konzernstrategie. Die Commerzbank hatte erst vor einem
Monat angekündigt, das Geschäft ihrer Immobilien- und Staatsfinanzierungstochter
Eurohypo ebenso abzuwickeln wie die Schiffsfinanzierung.
Vorstandschef Blessing räumte der Stärkung des Kapitals zuletzt absolute
Priorität ein - auch auf Kosten des Gewinns. Die Commerzbank hatte auf Geheiß
der europäischen Bankenaufsicht EBA bis Ende Juni eine Lücke von über fünf
Milliarden Euro zu füllen. Das Ziel übertraf das Institut.
In der Ukraine will die Commerzbank künftig nur noch mit einer Repräsentanz
für ihre Firmenkunden vertreten sein. NordLB-Analyst Michael Seufert sieht in
dem Rückzug ein Symbol für das endgültige Ende großer Träume von einer zweiten
international bedeutenden deutschen Großbank: "Im Gegensatz zur global
aufgestellten deutschen Industrie ist die Finanzbranche seit den achtziger
Jahren in die Regionalliga abgestiegen."
An der Börse kam der Fortschritt beim Konzernumbau am Dienstag zunächst gut
an. Auch die Zahlen lagen in etwa in Höhe der Erwartungen. Bis zum Mittag legte
die Aktie gut 0,7 Prozent zu und entwickelte sich damit etwas besser als der
Dax. Allerdings gab es auch skeptische Töne. Einige Analysten fürchten einen
weiteren schmerzhaften Abbau von Risiko - also dass die weitere Verkleinerung
der Bank immer wieder auf den Gewinn drückt.
Ein Experte äußerte zudem Zweifel an der Kapitalkalkulation der Bank. Zum
Jahreswechsel will sie nach den künftig geltenden strengeren Regeln (Basel III)
auf eine harte Kernkapitalquote (Core Tier 1) von 10 Prozent kommen. Der
Beobachter verwies darauf, dass Konkurrenten strengere Definitionen anwenden
würden. Der Verkauf in der Ukraine belastet die Quote laut Commerzbank kaum. Die
negativen Effekte glichen sich fast mit den positiven beim Abbau von
Risikopositionen aus./enl/stw/zb/kja
