Bitte warten...
Börse Frankfurt

"Aktienanlagen sind langfristig lukrativer"

Das DAX-Rendite-Dreieck zeigt die Wertentwicklung seit 1948


Das Deutsche Aktieninstitut (DAI) setzt sich als unabhängige und nicht gewinnorientierte Institution besonders für die Aktie als Anlage- und Finanzierungsinstrument ein. Das vom Institut veröffentlichte DAX-Rendite-Dreieck visualisiert dabei die durchschnittlichen Jahresrenditen für gut 50 Jahre. Franz-Josef Leven, Direktor beim DAI, interpretiert das Dreieck und erläutert, was dies für individuelle Anlagestrategien bedeutet.


boerse-frankfurt.de: Herr Leven, wie ist das DAI auf die Idee gekommen, ein Rendite-Dreieck zu entwerfen?
 
Leven: Wir haben nach einer Möglichkeit gesucht, dem Anleger zu verdeutlichen, welche Langfristrenditen Aktien haben, ohne dabei in Verdacht zu geraten, nur besonders gute Zeiträume auszuwählen. Die Darstellung sollte dabei auf einen Blick über die Rendite-Risiko-Struktur der Aktie informieren.

boerse-frankfurt.de: Wie ist das Rendite-Dreieck aufgebaut?

Leven: Im Rendite-Dreieck werden die jeweiligen durchschnittlichen Jahresrenditen durch unterschiedliche Farben und Farbintensitäten ausgewiesen. Positive Renditen werden blau und negative rot dargestellt. Je positiver bzw. negativer, desto intensiver die Farbe. In weiß sind Werte um Null abgebildet. Außerdem steht in jedem Feld zusätzlich der Wert der jährlichen Durchschnittsrendite, die ein Anleger erzielt hätte, wenn er in einem beliebigen Jahr seit 1948 den DAX gekauft und in einem beliebigen Jahr seit 1949 diesen wieder verkauft hätte. Die Rückrechnung für die Zeit vor 1987 – den DAX gibt es erst seit diesem Jahr – beruht auf der Fragestellung „welche Aktien wären im DAX gewesen, wenn es ihn bereits 1948 gegeben hätte“. Diese Berechnungsgrundlage stammt von Professor Stehle von der Humboldt-Universität in Berlin.

boerse-frankfurt.de: Sind im Rendite-Dreieck Besteuerung und Transaktionskosten mit einberechnet?

Leven: Die Besteuerung ist insofern enthalten, da wir den DAX zugrunde legen, der gemäß seinen Regularien einen Performance-Index einschließlich der Dividenden nach Abzug der Körperschaftsteuer darstellt.Bis 2002 konnte die Körperschaftssteuergutschrift dann auf die persönliche Einkommensteuerschuld angerechnet werden. Für Anleger mit hohem Steuersatz ist das zu gut gezeichnet und für Anleger mit niedrigem Steuersatz ist er leicht zu schlecht gezeichnet.

Nicht im Rendite-Dreieck berücksichtigt sind Transaktionskosten, das heißt die Kosten für die Verwahrung des Depots oder eventuelle Umschichtungen, da diese auf individuellen Entscheidungen beruhen.

boerse-frankfurt.de: Das Rendite-Dreieck zeigt, dass trotz der starken Kursverluste der letzten Jahre die Anlageform Aktie langfristig gegenüber der festverzinslichen Anlage im Vorteil ist. Dennoch sind viele der ehemals "Neuen Aktionäre" noch unsicher, wieder einzusteigen. Wie nehmen Sie dem Anleger diese Unsicherheit?

Leven: Wir illustrieren über den Langfristcharakter der Aktie, dass man auch in Phasen hoher Kursverluste leichte oder gute Gewinne machen kann. Außerdem versuchen wir Anlegern klar zu machen, dass man Aktien dann kaufen sollte, wenn sie billig sind. Die Zahlen der Bundesbank belegen sogar, dass viele Anleger bis 1999 Aktien und Aktienfonds gekauft und 2001 und 2002 erst massiv verkauft haben. Das ist nicht das Anlageverhalten, das den Anlegern gut tut.

boerse-frankfurt.de: Die börsennotierte Aktie gibt es in Europa bereits seit dem 17. Jahrhundert. Wie erklären Sie sich die wenig entwickelte Aktienkultur in Deutschland gegenüber z.B. jener in den USA?

Leven: Das hat sehr viel mit der Volksmentalität und den nationalen sozialen Sicherungssystemen zu tun. Überall dort, wo ein hoher Anteil der Bevölkerung sehr mobil und stark unternehmerisch geprägt ist, beobachten wir auch einen hohen Anteil an Aktionären an der Gesamtbevölkerung. Die Risikobereitschaft ist hier also deutlich ausgeprägter. Die Aktienkultur in Deutschland steht hingegen im 20. Jahrhundert unter dem Eindruck von zwei großen Inflationen, die die Anleger zu der Ansicht verleiten, sie sollten ihr Geld lieber sicher anlegen. Das Paradoxe daran ist, dass die Aktie als Sachwert die Inflation besser überstanden hat als das, was heute als sicher betrachtet wird. Sicherheit im Sinn von Inflationsvorbeugung bietet also gerade das Sparbuch nicht.

boerse-frankfurt.de: Was raten Sie einem Anleger, der heute zum Zweck der Altersvorsorge Geld beiseite legen will?

Leven: Das hängt erstens vom Lebensalter ab. Wenn jemand 55 Jahre alt ist und in Aktien vorsorgen will, ist größere Vorsicht geboten, als wenn jemand 25 Jahre alt ist. Im Allgemeinen geht man davon aus, dass der Aktienanteil 100 minus Lebensalter sein sollte. Dies ist nur eine grobe Regel, aber doch ein erster Hinweis, in welche Richtung die Reise geht. Zweitens ist die Höhe des verfügbaren Vermögens wesentlich, d.h. je kleiner das Vermögen ist, desto vorsichtiger sollte man im Hinblick auf Investitionen in Aktien sein.

boerse-frankfurt.de: Wie hoch sollte Ihrer Ansicht nach der Anteil sein, mit dem er direkt oder indirekt in Aktien investiert sein sollte?

Leven: Beim Eintritt in den Sparvorgang rate ich ein drei Säulen-Modell aufzubauen. In der ersten Säule stehen die langfristig hohen Renditen im Vordergrund, d.h. jeden Monat ist ein gewisser Betrag in Aktien oder Aktienfonds einzuzahlen. Die zweite Säule fokussiert auf ein Sparguthaben, das bei Bedarf sofort verfügbar ist. Hierbei wird der gleiche Betrag – und später die Hälfe des Betrags, der in Aktien investiert ist – in Rentenfonds angelegt. In dem Moment, wo das Geld benötigt wird, z.B. um wichtige Anschaffungen zu tätigen, ist man so nicht gleich gezwungen seine Aktien um jeden Preis zu verkaufen. Die dritte Säule umfasst Berufsunfähigkeits- und Lebensversicherungen. Wenn man die drei Säulen gleichzeitig realisiert – nämlich Aktien und Fonds für die Rendite, Rentenpapiere für jederzeitige Liquidität und Versicherungen für die sofortige Absicherung – ist man auf dem richtigen Weg. Die Gewichtung ist allerdings eine Frage der persönlichen Risikobereitschaft – und ob man ruhig schlafen kann, wenn der Wert des Aktiendepots mal vorübergehend in den Keller geht.

Das Interview führten Tanja Kohlpoth und Hubert Amann
März 2004

Anzeige