Drehbuch eines Börsengangs
Der erste Handelstag an der Börse Frankfurt
Ein Börsengang ist ein spannender Moment - für das Unternehmen, dass seine Aktien erstmalig dem Markt anbietet und in Folge erfährt, wie es vom Markt bewertet wird, für Investoren, die gezeichnet haben und vielleicht auf einen Zeichnungsgewinn hoffen, aber auch für alle anderen beteiligten Berater und Betreuer.
Das IPO selbst, die gebräuchliche Abkürzung für Initial Public Offering, das erstmalige öffentliche Angebot, setzt den Schlusspunkt eines mindestens sechsmonatigen arbeitsintensiven Prozesses. In diesem Beitrag erklären wir die einzelnen Phasen der letzten Stunde im Detail, bis der erste Preis feststeht und der reguläre Handel beginnt.
Die Akteure
- Emittenten stellen Wertpapiere aus und geben sie über die Börse in den Handel.
- Konsortialbanken unterstützen Emittenten und übernehmen mit ihnen die Prospekthaftung.
- Konsortialführer betreuen die Preisfeststellung.
- Spezialisten führen das Orderbuch im Präsenzhandel.
- Designated Sponsors stellen verbindliche Quotes im Xetra-Handel.
- Handelsteilnehmer stellen ihre Aufträge in die Orderbücher ein.
- Die Listingabteilung betreut den Zulassungsprozess.
- Die Marktsteuerung betreut die elektronischen Handelssysteme.
- Die Frankfurter Wertpapierbörse genehmigt die Zulassung.
Vorbereitungen
Das Zulassungsverfahren bei der Emission neuer Aktien besteht aus zwei Schritten, dem Prospektverfahren und der Notierungsaufnahme. Diese formellen Verwaltungsakte werden von unterschiedlichen Stellen betreut. Seit 1. Juli 2005 prüft die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht, kurz BaFin das Prospekt und die Listingabteilung der Deutschen Börse betreut die Notierungsaufnahme.
Nach Eingang der notwendigen Unterlagen z.B. des Emissionsprospekts entscheidet die Geschäftsführung der Frankfurter Wertpapierbörse über die Zulassung, daraufhin kann der Emittent die Notierungsaufnahme beantragen.
Sollen die Aktien fortlaufend auf Xetra gehandelt werden, muss sich spätestens am letzten Handelstag vor dem Börsengang ein Designated Sponsor zur Quotierung in diesem Wert verpflichten, damit die Aktie sofort betreut wird.
Aufrufphase bis zum ersten Preis
Ab 7.30 Uhr am Tag des Börsengangs befindet sich das Handelssystem in der Vorhandelsphase Pre-trading). Die Handelsteilnehmer können jetzt ihre Aufträge eingeben.
Um 9.00 Uhr werden sowohl auf der vollelektronischen Handelsplattform Xetra als auch im von Spezialisten unterstützten Parketthandel die ersten indikativen Preise ermittelt, die nur für den Konsortialführer und die Marktsteuerung ersichtlich sind.
Auf Xetra bezeichnet man diese erste Phase des IPO als Aufrufphase (Call IPO). Sie kann bis zu 30 Minuten dauern. In dieser Zeit wird eine Preisspanne - die IPO Matching Range - vom Konsortialführer über das Xetra Newsboard und im Internet veröffentlicht. Für die Handelsteilnehmer ändert sich zunächst nichts, sie können weiterhin Aufträge eingeben.
In der Aufrufphase kann sich der Konsortialführer anhand der von der Marktsteuerung zur Verfügung gestellten Informationen bezüglich des indikativen Preises, Überhangs und Gesamtvolumens einen Überblick über die Orderlage verschaffen. Am indikativen Preis, Überhang und Gesamtvolumen entscheidet der Konsortialführer, ob die IPO Matching Range angepasst werden muss.
Gleichzeitig stellen die Spezialisten im Parketthandel erste Quotes in das Handelssystem ein, die neben dem Handelssystem auch über die Anzeigetafel im Handelssaal und im Internet eröffentlicht wird.
In der Aufrufphase steht demnach die Konsortialbank in ständigem Kontakt mit beiden Märkten und koordiniert so den Prozess der Preisfeststellung.
Der erste Preis
Hält der Konsortialführer die Preisbildung für abgeschlossen, wird das Xetra-Orderbuch eingefroren. Diese Sperrung wird als Freeze-Phase bezeichnet. Für die Marktteilnehmer ist das Orderbuch nun geschlossen, sie können lediglich ihre eigenen Orders sehen, aber nicht verändern.
Auf Wunsch des Konsortialführers kann nach einer Freeze-Phase die Marktsteuerung das Orderbuch wieder entsperren und in die Call-IPO-Phase zurücksetzen, jedoch muss das System bei einer Veränderung der IPO-Matching Range mindestens zehn Minuten für Orderaufgaben offen sein, bevor der erste Preis festgestellt wird.
Die Spezialisten schließen das Buch ebenfalls. Sie rufen den Annahmeschluss seit 2011 nicht mehr aus, da kein Handel vor Ort mehr statt findet, erklären allerdings meist Unternehmensvertretern im Handelssaal, in welcher Phase sich der IPO gerade befindet. Zum Abschluss löst die Marktsteuerung die Preisfeststellung für den ersten Kurs in Xetra aus. Et voilà - der Eröffnungspreis steht fest.
Das Unternehmen weiß nun, dass und wie gut der IPO gelungen ist, und häufig läutet ein Vorstand des Börsenneuling symbolisch die Eröffnungsglocke.
Der Handel beginnt
Dies ist nicht das Ende, sondern erst der Anfang. Denn nun beginnt der reguläre Handel. Die Teilnehmer können ihre Aufträge einstellen.
Auf Xetra gibt es eine erste Auktion, die etwa fünf Minuten dauert. Dabei werden alle Kauf- und Verkauforders einander gegenübergestellt und der nächste Preis nach dem Meistausführungsprinzip ermittelt – das heißt der Preis, zu dem die meisten Aufträge erfüllt werden können. Auf dem Parkett beginnt der variable Handel.
