| Drehbuch eines Börsengangs Der erste Handelstag an der Börse Frankfurt | ||||||||||||||||||||||||||||
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![]() Das Zulassungsverfahren bei Neuemissionen besteht aus zwei Schritten, dem Prospektverfahren und der Notierungsaufnahme. Diese formellen Verwaltungsakte werden von unterschiedlichen Stellen betreut. Seit dem 1. Juli 2005 prüft die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) das Prospekt. Die Listingabteilung der Deutschen Börse betreut die Notierungsaufnahme. Nach Eingang der notwendigen Unterlagen z.B. des Emissionsprospekts entscheidet die Geschäftsführung der FWB® über die Zulassung, worauf der Emittent die Notierungsaufnahme beantragt. Sollen die Aktien fortlaufend auf Xetra® gehandelt werden, muss spätestens am letzten Handelstag vor dem IPO ein Designated Sponsor sich zur Quotierung in diesem Wert verpflichten, damit er die Aktie sofort betreuen kann. Aufrufphase bis zum ersten Preis ![]() Ab 7.30 Uhr am Tag des Börsengangs befindet sich das Handelssystem in der Pre-trading-Phase. Die Handelsteilnehmer können jetzt ihre Aufträge eingeben. Um 9.00 Uhr werden sowohl auf der vollelektronischen Handelsplattform Xetra® als auch im Parketthandel die ersten indikativen Preise ermittelt, die nur für den Konsortialführer und die Marktsteuerung ersichtlich sind. Auf Xetra bezeichnet man diese erste Phase des IPO als Aufrufphase (Call IPO). Sie kann bis zu 30 Minuten dauern. In dieser Zeit wird eine Preisspanne - die IPO Matching Range - vom Konsortialführer über das Xetra Newsboard veröffentlicht. Für die Handelsteilnehmer ändert sich zunächst nichts. Sie können weiterhin Aufträge eingeben. ![]() In der Aufrufphase kann sich der Konsortialführer anhand der von der Marktsteuerung zur Verfügung gestellten Informationen bezüglich des indikativen Preises, Überhangs und Gesamtvolumens einen Überblick über die Orderlage verschaffen. Am indikativen Preis, Überhang und Gesamtvolumen entscheidet der Konsortialführer, ob die IPO Matching Range angepasst werden muss. Gleichzeitig stellen die Skontroführer im Präsenzhandel erste Taxen in das Handelssystem Xontro ein. Dessen Name leitet sich von Skontro ab, der Bestandsliste mit allen Kauf- und Verkaufsaufträgen. Diese ersten Taxen werden über die Anzeigetafel am Parkett veröffentlicht. Zugerufene Aufträge gibt der Skontroführer in das Orderbuch ein. Braucht er für seine Taxen einen Überblick über die bereits eingegebenen Aufträge, dann kann auch er das Orderbuch kurz sperren und dann wieder entsperren. In der Aufrufphase steht demnach die Konsortialbank in ständigem Kontakt mit beiden Märkten und koordiniert so den Prozess der Preisfeststellung. ![]() Hält der Konsortialführer die Preisbildung für abgeschlossen, wird das Xetra-Orderbuch eingefroren. Diese Sperrung wird als Freeze Phase bezeichnet. Für die Marktteilnehmer ist das Orderbuch nun geschlossen, sie können lediglich ihre eigenen Orders sehen, aber nicht verändern. Auf Wunsch des Konsortialführers kann nach einer Freeze Phase die Marktsteuerung das Orderbuch wieder entsperren und in die Call-IPO-Phase zurücksetzen, jedoch muss das System bei einer Veränderung der IPO Matching Range mindestens 10 Minuten für Orderaufgaben offen sein, bevor der erste Preis festgestellt wird. Der Skontroführer verkündet einen Annahmeschluss auf dem Parkett und schließt dann sein Buch ebenfalls. Zum Abschluss löst die Marktsteuerung die Preisfeststellung für den ersten Kurs in Xetra aus. Et voilà - der Eröffnungspreis steht fest. Dies ist aber nicht das Ende, sondern erst der Anfang. Denn nun beginnt der reguläre Handel. Die Teilnehmer können ihre Aufträge einstellen. Auf Xetra gibt es eine erste Auktion, die etwa fünf Minuten dauert. Dabei werden alle Kauf- und Verkauforders einander gegenübergestellt und der nächste Preis nach dem Meistausführungsprinzip ermittelt – das heißt der Preis, zu dem die meisten Aufträge erfüllt werden können. Im Präsenzhandel beginnt der variable Handel. Das Business as usual beginnt. | ||||||||||||||||||||||||||||
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