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Investmentclub Corner
Handeln an der Börse Frankfurt

Investmentclubs bieten Anlegern ein Zuhause

Die Goldgräberstimmung von einst ist längst verflogen. Dafür waren die Erfahrungen in den vergangenen Jahren zu schmerzlich. Der Einbruch der Aktienmärkte ist auch am Düsseldorfer Investmentclub „Goldfinger“ nicht spurlos vorbeigezogen. „Die fallenden Kurse haben ganz schön auf die Stimmung gedrückt“, erinnert sich Alexander Steinhaus, Geschäftsführer des 1998 gegründeten Wertpapieranlagevereins. Zunächst waren die Anleger noch optimistisch und sind bei fallenden Kursen eingestiegen. Doch die Hoffnung auf eine Trendwende wurde schnell begraben. „Wir haben irgendwann die Bremse gezogen und unser Depot bereinigt“, erklärt Steinhaus. Die Mitglieder waren auch in der schwierigen Phase sehr motiviert bei der Sache. Dies hat auch Marc Tüngler, Geschäftsführer der Deutschen Schutzgemeinschaft für Wertpapierbesitz (DSW), beobachtet: „Das war die große Boomzeit für die Gründung von Investmentclubs.“ Damals seien fast täglich irgendwo in Deutschland neue Anlegerclubs aus dem Boden geschossen.

Keine Frage, Deutschland hatte Nachholbedarf. In den USA wurde bereits 1898 in Texas von Farmer Jack Brooks der erste Investmentclub aus der Taufe gehoben. Damals erkannte Brooks den Aufstieg der Industrie gegenüber der stagnierenden Landwirtschaft. Er wollte die Chance nutzen, an der Börse zu investieren, und mobilisierte dafür Nachbarn und Freunde. Erst in 1962, also genau 64 Jahre später, fiel diese Idee mit der Gründung des ersten Anlegerzirkels in Bottrop auch in Deutschland auf fruchtbaren Boden.

Lieber in Gesellschaft

Im Prinzip ist ein Investmentclub nichts anderes als ein Aktien- oder Rentenfonds. Genauso wie die Profis der Investmenthäuser sammeln auch Clubs von Anlegern in vielen kleinen Beträgen, um es dann in großen Summen in Wertpapiere zu investieren. Der große Vorteil gegenüber der Aktienanlage als Einzelkämpfer sind niedrigere Transaktionskosten, die normalerweise von Banken für Orderausführungen in Rechnung gestellt werden. Die breitere Streuung des Aktienkapitals, also das Geld auf mehr Titel und Branchen verteilen zu können, hat als Plus an Bedeutung eingebüßt, da an den meisten deutschen Börsenplätzen inzwischen auch Kleinorders problemlos platziert werden können. Der entscheidende Unterschied zu einem professionell gemanagten Fonds ist aber, dass bei einem Investmentclub die Mitglieder die Auswahl der Titel selbst in die Hand nehmen.

Der Versuch, in Eigenregie mit der Geldanlage in Wertpapieren erfolgreich zu sein, ist jedoch ohnehin nicht der einzige Grund, warum sich Anleger zu Investmentclubs zusammenschließen. „Viele Frauen möchten durch eigenes Handeln lernen, wie die Geldanlage funktioniert“, betont Birgit Willberger, Geschäftsführerin des Nürnberger Lady Invest-Fondsclub. Das gemeinsame Lernen und der Umgang mit Wertpapieranlagen waren von Anfang an Motto des Clubs. Willenberger verfolgt dieses Ziel auch über den eigenen Club hinaus und steht anderen Clubs mit Betreuung und Beratung zur Seite.

Die Krisenzeiten haben die Frauen im Nünberger Investmentclub gut durchgestanden. „Klar hat es auch bei uns Rückschläge gegeben, aber das gehört doch zum Lernprozess dazu“, sagt Birgit Willberger. Und gerade in solchen Zeiten sei es wichtig, nicht alleine dazustehen. Deshalb ist es kein Wunder, dass die Zahl der Investmentclubs in Deutschland wieder steigt. Zwar seien direkt nach der Boomphase bis 2000 Clubs von der Bildfläche verschwunden, hat auch Szenenkenner Tüngler festgestellt. Doch die Neugründungen übersteigen inzwischen die Zahl derjenigen, die aufgaben – 1999 gab es etwa 5.000 Investmentclubs, zurzeit sind es mehr als 7.000.

Für jeden der richtige Club

Stellen Sie Ihre Fragen

Haben Sie Fragen zur Gründung eines Investmentclubs oder suchen Sie einen Club in Ihrer Nähe? Dann schreiben Sie uns eine Mail.

Mitglied in einem Investmentclub zu werden, ist heutzutage weit einfacher als noch vor zehn Jahren. In größeren Städten haben Interessenten inzwischen schon die Qual der Wahl. Für einen Überblick ist es sinnvoll, sich zunächst an einen der beiden Dachverbände zu wenden, z.B. an die DSW. Dort können per E-Mail Clubadressen angefragt werden; die Antwort erfolgt innerhalb eines Tages.

Doch von welchen Faktoren sollte man die Auswahl abhängig machen? Tüngler rät, neben der örtlichen Nähe vor allem auf die Fachkenntnisse der Mitglieder zu achten. Gerade Börsenneulinge sollten sich vorzugsweise einem Club mit ausgewiesenen Börsenkennern anschließen. Hilfreich sei hierfür ein Blick auf die Mitgliederliste und dabei insbesondere auf die ausgeübten Berufe achten. Befänden sich darunter, bemerkt Tüngler weiter, Leute, die sich von Berufswegen, mit der Wertpapieranlage beschäftigten, könne das vorteilhaft sein. Kenner der Szene beäugen die Mitgliedschaft von Geldanlage-Profis wegen möglicher Interessenkollisionen kritisch. Gerade für Mitglieder aus dem Finanzberatermilieu sei die Versuchung groß, die Clubzugehörigkeit auch geschäftlich zu nutzen, argumentieren Verbraucherschützer.

Jack Brooks hat es vorgemacht - einen eigenen Club gründen kann durchaus Sinn machen. Fragen Sie im Familien- und Freundeskreis nach, sprechen Sie Kollegen und Nachbarn an und legen Sie los mit dem eigenen Club. Auf unseren weiterführenden Seiten informieren wir Sie über juristische Hürden und steuerrechtliche Stolpersteine.

Clubporträts

Blicken Sie hinter die Kulissen von Investmentclubs. Wir stellen Ihnen einige Clubs vor.

0711-Aktienclub

Radebeuler Actien Club GbR

Hanseatischer Aktien-Club

Arbeitskreis Börse Mainz

Itzehoer Aktien Club

Hexensabbat Club Berlin

Münchner Investment Club

Actien Club Coeln

Philipp-Reis-Investment-Club